Garderobe              

Die Auswahl des richtigen Motorrades ist ebenso individuell wie die Wahl der entsprechenden Motorradgarderobe, die meist passend zum Fahrzeug und damit dem künftigen Einsatzbereich sein soll. All das ist sehr individuell und lässt eine Diskussion über „das beste Motorrad“ oder „die beste Motorradgarderobe“ nicht zu. „Jeder soll nach seiner Façon selig werden!“, sagte schon der preußische König Friedrich II. - und der war noch nicht mal Biker...

Lederhose über die Stiefel, Textiljacke (beide mit dem Reißverschluss verbunden), Halstuch... (Estland im Sommer 2009)

Sicherheit

Neben allen modischen Aspekten muss bei der Motorradgarderobe der Aspekt Sicherheit ganz im Vordergrund stehen. Allerdings wird auch dieser Bereich sehr individuell gelöst, und ich muss trotz meines Unfalls zugeben, dass auch ich gelegentlich ohne Protektoren unterwegs bin, wenn ich mal eben ganz schnell etwas in der Nähe zu erledigen habe. Auf einer großen Tour sieht das aber anders aus!

Dann gehören natürlich Protektoren in Hose und Jacke, die beide auch bitte sehr mit einem Rundumreißverschluss miteinander verbunden werden.

In Frankreich bereits Pflicht: reflektierende Flächen an der Garderobe sollen uns besonders in der Dämmerung oder bei schlechten Lichtverhältnissen auffälliger machen. Ich habe übrigens sogar am Motorrad seitlich und an den Alukoffern auch vorne und hinten einige zusätzliche Reflektorfolien angeklebt.

Bei den Nähten sollte eine Sicherheitsnaht nach ISO 4916 vorhanden sein, die sich bei einem eventuellen Unfall mit langem Schleifweg nicht auflöst. Bei sehr vielen Jacken und Hosen ist das heute bereits selbstverständlich.

Bequemlichkeit

Leder oder Textil? Das ist eine sehr schwer zu beantwortende Frage! Ich persönlich mag lieber eine Lederhose in Verbindung mit einer Textiljacke.

Ich habe zwar auch eine Lederjacke, lieber trage ich jedoch eine Textiljacke, die leichter ist, und bei der ich die Innenjacke mit der GoreTex-Membran herausnehmen kann. So lassen sich je nach Außentemperatur die einzelnen Garderobeschichten passend kombinieren: nur ein T-Shirt im Sommer, aber dafür Unterwäsche + Hemd + Fleece + Membran in der kalten Jahreszeit – und wenn es tagsüber wieder etwas wärmer wird, wird eine Bekleidungsschicht einfach ausgezogen und kommt in den Koffer oder das Topcase.

Nachdem ich früher eine (sehr preiswerte) Motorradjacke mit fester Membran getragen und im sommerlichen Südfrankreich wie ein „Würstchen im Schlafrock“ langsam gedünstet wurde (die Haare unter dem Helm waren wie auch das Baumwollhemd unter der Jacke quitschnass!), möchte ich meine heutige Jacke mit herausnehmbarer Innenjacke nicht mehr missen! Die Kombinationsmöglichkeiten plus die zahlreichen Belüftungsreißverschlüsse sind unschlagbar! Hinzu kommt außerdem, dass ich die Textil-Jacke, die nun mal mehr als alles andere dem Fahrtwind ausgesetzt ist, einfach und bequem waschen kann. Enorm wie dreckig dabei das Waschwasser werden kann...

Meine Lederhose (einmal „eingeritten“) ist jetzt individuell geformt und daher sehr bequem! Hinzu kommt, dass ich auf der Sitzbank fest sitze und auch beim plötzlichen Bremsen nicht ins Rutschen nach vorn komme. Die Hosenbeine sind so lang, dass sie auch im Sitzen weit über die Stiefel nach unten reichen.

Für den heißen Sommer habe ich mir vor der Albanientour eine Textilhose mit großen Belüftungsöffnungen gekauft – sehr praktisch und wirkungsvoll. Schön ist auch, dass diese Hose unter dem Gesäß zwei „Antirutsch-Streifen“ hat, die mich auch fest im Sattel sitzen lassen.

Auf Motorradtouren trage ich auf der Haut nicht so gerne Slips sondern etwas längere und möglichst nahtlose Unterhosen ähnlich wie Radlerhosen: nichts kann nämlich nervender sein, als eine Slipnaht, die am Oberschenkel oder Gesäß stundenlang drückt, so dass man schließlich kaum noch weiß, wie und wo man sitzen soll...

Haltbarkeit

Leder ist eigentlich haltbarer als Cordura, dem meist verwendeten Kunstgewebe bei Motorradgarderobe. Allerdings hat meine Cordurajacke schon einige Jährchen auf dem Buckel und zeigt trotzdem keine großen Abnutzungserscheinungen. Die finnische Marke RUKKA ist allerdings auch nicht billig! Jeder muss sich überlegen, ob sich ein solcher Kauf lohnt. Ich bin mir nach vielen Jahren Nutzung wirklich sicher, dass teure Motorradgarderobe auch deutlich länger hält.

Wetterfestigkeit

Auch wenn meine Rukka-Jacke eine wasserdichte GoreTex-Innenjacke hat: während der Fahrt quer durch Polen 2008 mit dem sintflutartigen Regen war auch dieses Material schließlich überfordert. Die Überjacke war bereits nach wenigen Minuten patschnass, nach zwei Stunden schließlich auch der gesamte Rest. Die Witterung war allerdings auch extrem, und ich hatte damals keine Regenkombi dabei – wie dumm von mir!

Inzwischen habe ich auf Touren immer extra Regengarderobe dabei – allerdings keine Kombi, sondern jeweils eine Regenjacke und eine -hose einzeln. Das An- und Ausziehen ist viel einfacher, und die Jacke kann abends als Anorak genutzt werden. So ausgerüstet bin ich unterwegs tatsächlich dauerhaft absolut trocken gekleidet, selbst wenn es „Katzen und Hunde“ schütten sollte...

Stiefelgamaschen und Überhandschuhe ergänzen die Regengarderobe sinnvoll, wobei natürlich die Hosenbeine ÜBER die Gamaschen und die Handschuhe UNTER die Jackenärmel kommen.

Klamotten kombinieren: auf dem Lovćen in Montenegro (ca. 1600m hoch) war es im Hochsommer 2011 wegen der dichten Wolkendecke so kühl, dass ich mir die Regenjacke überziehen musste. Die Textilhose war noch warm genug, denn Luzies Tank und die Packtaschen schützten die Beine...

Klimatische Bedingungen

Auf der 2012-Mezzogiorno-Tour hatte ich auf Sizilien tagelang Temperaturen von teils über 40°C. Ich habe während der Fahrt geschwitzt wie ehemals in der Mojave-Wüste bei meiner Tour von Kalifornien nach Utah – 4 bis 5 Liter Trinkwasser am Tag mussten sein...

Es ist leider völlig normal, dass unter solchen Bedingungen besonders hautnah getragene Garderobe rasch einen sehr intensiven Geruch annimmt, der vielleicht einen in Einsamkeit lebenden Puma in Entzücken versetzt, nicht jedoch mich! Zwangsläufig musste ich mich allabendlich mit der „kleinen Handwäsche“ auseinandersetzen.

Vor einigen Jahren lernte ich Garderobe mit Silberionen im Gewebe kennen. Es ist fast unglaublich: selbst nach zwei Wochen Albanien bzw. einer „Sauna-Woche“ im Mezzogiorno war mein T-Shirt ohne zusätzliche Wäsche fast geruchsfrei: es wirkt tatsächlich!

Es gibt auch Socken mit dem Silberionen-Gewebe. Erst nach fünf Tagen in absolut dichten Motorradstiefeln war schließlich eine Wäsche fällig. Weil aber sowohl die Socken als auch das T-Shirt aus Polyestergewebe bestehen, trocken die gut ausgewrungenen Bekleidungsstücke ruckzuck an der Wäscheleine und sind am nächsten Tag wieder einsatzbereit. Es lohnt sich meiner Meinung nach tatsächlich sehr, sich für unterwegs mit solchen Bekleidungsstücken auszurüsten – auch wenn sie etwas teurer sind.

Handschuhe sind bei mir aus Leder. Auf einer Tour nehme ich immer zwei Paar mit, falls eines unterwegs nass werden sollte. Ein Paar hat eine wärmende Stulpe, das andere Paar nicht. Sehr gute Erfahrungen habe ich mit Känguruh-Leder gemacht, das besonders abriebfest, dabei aber auch geschmeidig und dünn ist.

Lederstiefel müssen nicht nur sicher sein, auch das Schalten muss bequem möglich sein. Insofern halte ich nichts von steifen Cross-Stiefeln. Und: man muss mit den Stiefeln auch durch einen großen Supermarkt, ein Museum oder zu einem schönen Aussichtspunkt laufen können - Motorradstiefel müssen bei mir bequeme Alleskönner sein. Auch wenn es im Sommer heiß wird: meine Lederstiefel haben eine GoreTex-Membran, die selbst nach einer langen Regenfahrt die Füße trocken hält. Abends lüften die Stiefel dann vor dem Zelt bis zum Morgen aus...

Weil mir vor einigen Jahren bei Tempo 100 mal eine Wespe in den Jackenausschnitt gelangt ist und mich aus Panik sofort in die Brust gestochen hat, nutze ich seither stets ein elastisches Schlauchtuch am Hals (z.B. Buff), das mich vor solchen Attacken wie auch vor Wind und Kälte schützt.

Ein Markenwechsel

Auch wenn meine geliebte braune RUKKA-Tourenjacke nach wirklich vielen Dienstjahren und abenteuerlichen Reisen tatsächlich immer noch keine sichtbaren Abnutzungserscheinungen zeigt, für die geplante FarAwayTour auf der Seidenstraße durch den Pamir und anschließend quer durch die Mongolei und Sibirien wieder nach Hause werde ich sie nicht tragen. Ich habe meine alte Jacke während unserer legendären Pfingsten-Touren fast immer in Verbindung mit einer stabilen Lederhose getragen, die inzwischen prächtig eingeritten ist und auf der schwarzen Oberfläche eine eindrucksvolle Staubpatina aus allen möglichen europäischen Gefilden trägt. Diese in der „Übergangszeit“ sehr bewährte Kombination bleibt jedoch in den heißen Sommermonaten stets im Kleiderschrank, und ist daher ebenso für die iranischen Wüstengebiete oder die kasachische Steppe nicht die richtige Wahl.

Ich habe sehr lange nach einem Motorradanzug gesucht, der ein Multitalent sein muss: sicher bei einem möglichen Unfall, dicht bei Regen, warm bei Kälte aber gleichzeitig auch mit der Möglichkeit einer guten Ventilation bei höheren Außentemperaturen. Außerdem sollte der Anzug nicht schwarz sondern möglichst hell sein, um weniger Hitze bei Sonnenstrahlen zu absorbieren und gleichzeitig besser bei Dämmerung oder Dunkelheit gesehen zu werden. Ich glaube, ich habe schließlich die „eierlegende Wollmilchsau“ gefunden.

Die deutsche Firma Held stellt mit der Jacke Carese 2 und der Hose Torno 2 genau diese Kombination her, die ich für unsere lange Tour gesucht habe. Es gibt deutlich preiswertere Motorradgarderobe, aber bei Funktionalität, Haltbarkeit und Qualität mache ich inzwischen keine Kompromisse. Bei der ersten Probefahrt "Grappas für die Papas" Pfingsten 2017 ins Trentino und die Lombardei (hier auf dem Passo San Marco) war ich sehr zufrieden.

Mich stört nicht, dass man Insekten oder Dreckspritzer an den hellen Stoffteilen schneller sieht – ich finde, eine echte Tourenkombi ist wie ein Buch, und sie soll ruhig die erlebten Geschichten erzählen. Bei der nächsten Wäsche ist sowieso alles wieder wie früher...

Helme

Bisher habe ich gute Erfahrungen mit Schuberth-Helmen gemacht. Klapphelme wie z.B. der C2 sind für Brillenträger besonders praktisch. Außerdem gefällt mir bei den Schuberth-Helmen das klappbare Sonnenvisier, das eine Sonnenbrille ersetzt und  bei schnellen Lichtwechseln (z.B. Tunneldurchfahrten) ideal bedient werden kann. Als Brillenträger kann es bei neuen Helmen - egal von welchem Hersteller - durchaus zu schmerzhaften Druckstellen unmittelbar hinter den Ohrmuscheln kommen. Ich habe mir damit geholfen, dass ich den Helmeinsatz (Polystyrolschaum - auch Styropor genannt) in den sensiblen Bereichen 1-2mm mit einem angerundeten Gegenstand (z.B. Griff eines Taschenmessers) eingedrückt habe. Der Helm war damit perfekt angepasst und hat seither nie wieder gedrückt.

Eine zweite Schwachstelle ist immer wieder das Visier. Nach der "Wahnsinns-Regenfahrt" durch Polen 2008 (s. Reiseberichte) löste sich auch beim C2 die innere Beschichtung schließlich nach einigen Stunden komplett ab. Schuberth gewährte mir aber völlig problemlos Garantie. Ein zweiter Garantiefall (nach einer weiteren Regenfahrt) wurde ein Jahr später durch Kulanz mit einem Pinlock-Visier (bei einer kleinen Selbstbeteiligung) gelöst. Seither beschlägt die Innenseite des Visieres dauerhaft nicht mehr. Eine wirklich gute Erfindung!

Inzwischen besitze ich einen weiteren Motorradhelm: den Schuberth J1. Dieser Jet-Helm ist selbst bei höheren Temperaturen einfach toll! Das große Klappvisier lässt sich ganz einfach abnehmen. Stattdessen kommt dann der schwarze Helmschirm dran, der im Gegenwind nicht stört aber gut vor Sonnenlicht schützt. Sehr nett: der Kinnbügel, der (beim Fahren unsichtbar im Kinnbereich liegend) trotz der großen Helmöffnung einen guten Aufprallschutz bietet.

Auch der J1 verfügt über eine eingebaute Sonnenblende, die sich mit einem Schieber an der Helmseite bedienen lässt. Diese Blende nutze ich allerdings wenig, denn ich fahre mit einer Sport-Sonnenbrille. Trotz der langen und dicken  Brillenbügel brauchte ich aber keine "besondere Anpassungen" im Innenhelm vorzunehmen - Schuberth hat im Ohrenbereich erfreulich viel Freiraum gelassen, wobei der Helm trotzdem perfekt fest sitzt. Facit: bei hohen Temperaturen besonders in südlichen Ländern ein perfekter Reisehelm - wenn dann an Haut- und Lippenschutz gedacht wird, sonst droht ein übler Sonnenbrand!

Inzwischen fahre ich mit einem C3, den ich mir in weiß zugelegt habe: die sommerliche Sonne soll den Helm so wenig wie möglich aufwärmen.

 

Die "Feierabend"-Garderobe , die ich bei Touren mitnehme, steht auf der Packliste:


zurück